Das 1. Velotaxi Jenas hat einen Sponsor - die Sparkasse Jena Saale Holzland. Bei einem Minutenpreis von 60 Cent wird man von Jungunternehmer "Andi" mit echter "Greenenergy" durch Jena kutschiert. ART-KON-TOR betreut seit 2 Jahren die Sparkasse als Leitagentur.
Link: Velotaxi Jena
Ein bisschen holprig wirkt es anfangs, als Andreas Kraft in die Pedale zu treten beginnt. Beinahe lautlos setzt sich das erste Jenaer "Velotaxi" in Bewegung - probeweise vom Johannistor zum Camsdorfer Ufer. Seit Montag ist das Gefährt in Jena unterwegs, um Touristen, Studenten und Einheimische durch die Saalestadt zu befördern.
Jena. "Zur Finanzierung habe ich einen Kredit von der Mikrofinanzagentur Thüringen bekommen", berichtet der 33-jährige Neu-Selbständige mit den bereits kräftigen Waden während der kurzen Fahrt.
Die Idee eines Fahrradtaxis kannte er selbst bis vor kurzem nur von Reisen aus Asien. "Aber hier haben mir einige Leute gesagt, dass so etwas in Jena fehlt." Für den studierten Umwelttechnik-Ingenieur ein Ansporn, es auf diesem Wege zu versuchen. Das von Muskelkraft betriebene Taxi wird von einer Berliner Firma hergestellt und ist dank der Aufkleber des Werbepartners rot und weiß beklebt. "Nur über Fahrgastbeförderung wäre es wohl nicht zu finanzieren", sagt Kraft. Deshalb habe er sich einen Sponsor gesucht und gefunden. Das hat allerdings etwas länger gedauert als ursprünglich geplant - in ein paar Wochen ist die Saison bereits zu Ende: "Im Winter hat es wenig Sinn, aber wenn jemand das Taxi extra bestellt, mache ich das natürlich möglich", versichert er.
Viele drehen sich nach dem Taxi um
Über zu wenig Aufmerksamkeit kann sich der Taxi-Radfahrer auf keinen Fall beklagen. Nahezu alle Passanten schauen wenigstens verstohlen in die Richtung des kleinen Gefährts. Manche recken oder wenden ihre Köpfe sogar. Bis zu zwei Personen und ein kleines Kind bis zu sieben Jahren lassen sich für 60 Cent pro Minute transportieren. Für Anstiege - und derer gibt es reichlich in Jena - sind ein kleiner Elektromotor und einige Batterien unter der Passagierbank eingebaut. Der funktioniert wie bei den jüngst sehr angesagten E-Bikes. Elektrische Unterstützung gibt es nur, wenn die Pedale bereits getreten werden. Eine (An-)Fahrt nur mit Motor ist nicht möglich.
Kunden, so berichtet der Kleinunternehmer, könnten neben Privatleuten und Touristen durchaus auch Hotels, Gaststätten oder Altenheime sein. "Außerdem verdienen die Leute in Jena besser als im Thüringer Schnitt, da können sie sich das Velotaxi leichter leisten", sagt er. Die Werbung ist allerdings erst am Montag angelaufen - "bevor das Fahrzeug einsatzbereit ist, wäre das unglücklich gewesen." In diesen Tagen und Wochen arbeitet Andreas Kraft auch an seinen Kenntnissen zur Stadt und ihrer Geschichte. Fahrten mit dem Velotaxi zum Erkunden der Stadt sind also denkbar - ganz ähnlich wie in den Kutschen der nahen Klassikerstadt Weimar. Mit dem regulären Taxibetrieb drohen da wenig Überschneidungen.
Die Knirpse aus dem Kindergarten Pinocchio in der Dammstraße können indes ihre Neugier kaum zügeln. Sie laufen gerade in die Dammstraße zurück und umringen das rot-weiße Fahrzeug mit den drei Rädern. Also dreht Andreas Kraft eine 100-Meter Gratisrunde mit denen, die es zuerst auf die Rückbank geschafft haben. Aber die Kinder von heute sind schließlich die Kunden von morgen.
Sofern das Geschäft erfolgreich anläuft, kann sich Kraft eine Erweiterung vorstellen: Zwei oder drei Fahrradtaxis, die von einem Pool aus bis zu zehn Fahrern durch die Stadt gelenkt werden - er würde dann eine Mietgebühr bekommen. Derzeit ist ihm von der Stadt Jena allerdings nicht die Nutzung aller Straßen erlaubt: Der Magdelstieg etwa bleibt vorerst tabu - bis der Radweg im kommenden Jahr endlich fertiggestellt wird.
Quelle: Florian Girwert / 19.10.11 / TLZ
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